Freitag, 20. November 2009

Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Es ist schon so, dass sich auch in Berlin das Liebesverhalten mit den Jahreszeiten ein wenig ändert. Viele werden im Mai und im Oktober nervös - ersteres, weil die Reize wieder deutlicher werden und letzteres, weil sie nicht unbedingt wieder einen grauen Berliner Winter alleine verbringen wollen. Die Stoßzeit ist sicherlich im Sommer und manche lernen sich dort kennen und bleiben dann tatsächlich den Winter über zusammen, um das Ganze spätestens im nächsten Frühjahr auf den Prüfstand zu stellen. Die meisten, die ich kenne, toben sich dagegen eher im Sommer mit Affären (kann man als Single überhaupt Affären haben?) aus und stellen fast zeitgleich im Oktober fest, dass das alles überhaupt nicht geht und beenden ihre Affären abrupt, um im Herbst und Winter eine kurze Zeit lang inne zu halten, bevor dasselbe Spiel im Frühjahr wieder losgeht. Bei Licht betrachtet vorhersehbar wie die ewige Wiederholung der Jahreszeiten.

Dienstag, 17. November 2009

Timing

Ein anderer Freund hat mich kürzlich daran erinnert, dass in Berlin auch oft Timingprobleme das Zueinanderfinden entscheidend verhindern. Timing ist aber nun gegen jede Mathematik ein unberechenbarer Faktor, der das Ganze wirklich nicht einfacher macht. Hier eine kleine Auswahl von falschem Timing:

1. Sie kommt gerade aus einer Beziehung und will Spaß, er hat sich dagegen in sie verliebt.
2. Er kommt gerade aus einer Beziehung und will Spaß, sie hat sich dagegen in ihn verliebt.
3. Sie hat keinen Bock mehr auf oberflächlichen Spaß, sondern will etwas Ernstes, fragt ihn beim ersten Date nach dem Kinderwunsch und das Date ist nach 5 Minuten Geschichte.
4. Er ruft sie am nächsten Tag nach dem Kennenlernen an, sie denkt, was will der denn jetzt schon wieder und geht nicht ans Telefon. Ihn verlässt das Selbstbewusstsein und er ruft nicht mehr an.
5. Ihr fällt nach 10 Jahren auf, dass sie ihn doch nicht nur als Freund haben will, traut sich aber auch nicht wirklich, es ihm zu sagen. Er ist verstört über Details, wie dasjenige, dass plötzlich ihre kleinen Abschiedsküsse auf seinen Mund verrutschen.
6. Er küsst sie überfallartig auf den Mund, während sie noch damit beschäftigt ist, mentale Entspannungsübungen zu machen oder sich zu fragen, ob und wann er sie wohl küssen wird.
7. Er findet sie als Person toll, während sie gerade genau das Gegenteil von ihrem Exfreund will, der ihm aber leider recht ähnlich ist.
8. Sie hat gerade mit Begeisterung einen neuen Fetisch entdeckt: z.B. gefesselt und ausgepeitscht zu werden, Tauchlehrer toll zu finden, kleine Japaner mit kleinen Pimmeln, große Norweger mit großen Pimmeln, 16-jährige Jungs, 60-jährige Jungs usw. Das kann er beim besten Willen nicht erfüllen.

Nur eine Auswahl. Zwischen Himmel und Erde gibt es viele zeitliche Probleme.

Freitag, 13. November 2009

Sex oder Liebe?

Ich habs ja schon erwähnt: Man muss sich in Berlin sehr oft entscheiden und nur in den ganz seltenen Fällen von Liebe gibt es dann beides zusammen. Natürlich kann man sich für die Liebe nicht bewusst entscheiden, sie kommt immer ungefragt, unbewusst und tatsächlich auch oft ungewollt. Aber man kann sich für die Möglichkeit von Liebe entscheiden.

Ich glaube zwar, dass es nicht zwingend so sein muss, aber meine Erfahrung zeigt, dass wenn man mit einer Frau noch in derselben Nacht fickt, in der sie man sie kennen gelernt hat, es de facto ausgeschlossen ist, mit ihr etwas Ernstes anzufangen. Beide denken anschließend sofort, dass man das dann wohl in die unteren Schubladen "Absturz" oder "Affäre" stecken muss und andere, höher gelegene Schubladen bleiben dabei automatisch geschlossen. Was natürlich wirklich ein objektives Problem bei derartigen Nächten darstellt, ist, dass es danach - zumindest, was das Körperliche angeht - erst einmal nicht mehr viel zu entdecken gibt. Es sei denn, man hat sogar das Gesicht vergessen, aber das schafft andere Probleme. Hab' ich glücklicherweise noch nicht erlebt, nur leichte Vorstellungsdissonanzen gehabt, die beim nächsten Treffen wieder behoben waren.

Neben meiner Pakttheorie favorisiere ich daher im Moment eine Art des Kennenlernens wie mit 16. Also nachdem man sich irgendwo kennen gelernt hat, mindestens eine Woche lang nur telefonieren, sich zu seltenen Treffen verabreden, um wahlweise in eine Bar oder von mir aus auch eine Eisdiele zu gehen (Kino ist mir anfangs zu unkommunikativ) und wirklich der erste Kuss erst nach 3 Wochen, ok sagen wir 2 Wochen, alles andere wäre wirklich unrealistisch. Und ficken dann erst nach 3 Wochen - dann aber den ganzen Tag lang. Ein guter Freund von mir hat es so hinbekommen, außer der Tatsache, dass sie schon am ersten Abend geknutscht haben. Jetzt sind sie schon seit 3 Monaten ein ziemlich glückliches Pärchen.

Ich stelle mir das also ein wenig wie in "Pretty in Pink" vor, wo der erste richtige Kuss auch ewig gedauert hat, wenn ich mich richtig erinnere. Der war aber dann umso leidenschaftlicher. Es kann für meinen Geschmack ruhig noch etwas leidenschaftlicher sein, aber bei US-Blockbustern aus den 80ern war eben alles noch ein wenig verklemmt. Verklemmt ist nicht dasselbe wie vorsichtig.

Mittwoch, 11. November 2009

Das Original

Love is in the Error

Wie beginnen? Vielleicht einfach beginnen. Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass man Fehler machen muss, um überhaupt in die Nähe der Möglichkeit von Liebe in Berlin zu kommen. Was heißt Fehler? Fehler im Hinblick auf ungeschriebene Gesetze - Gesetze des Nachtlebens in erster Linie.

Sie lauten ungefähr so: Du gehst feiern, du lernst machmal eine neue Frau kennen, du trinkst meistens viel, du lässt dich treiben. Wenn es gut läuft, kommt es IMMER zu dem magischen Moment, in dem du dieser Frau in die Augen schaust und sie dir auch in die Augen schaut und du siehst ihr Begehren so wie sie deines sieht. Nach den ungeschriebenen Gesetzen des Nachtlebens wäre es der absolute Fehler in einem solchen Moment, die Stopptaste zu drücken, der Vernunft und der Erfahrung einen Millimeter Raum zu geben und mit dieser Frau einen Pakt zu schließen. Dieser Pakt würde lauten: Wir werden uns heute nicht mehr berühren, am besten nicht einmal schüchtern küssen, sondern wir werden uns sofort verabschieden. Was jeder für sich mit dem Rest der Nacht macht, berührt unseren Pakt in keinster Weise. Morgen werden wir telefonieren, wenn wir unseren oberflächlichen Rausch ausgeschlafen haben. Und zwar wirklich schon morgen, weil uns die 3-Tage-Sperrfrist für Anrufe, um uns attraktiv zu halten, egal ist.

Genau diesen Fehler muss man machen. Da bin ich mir absolut sicher. Man verschenkt eine möglicherweise wilde Nacht. Möglicherweise ist einer von beiden am Ende aber auch zu betrunken, um noch an das zu denken, was eigentlich das Ziel sein sollte, zu dem beide vorher zugestimmt haben. Möglicherweise überlegt es sich einer von beiden auch im letzten Moment anders.

Es gibt in Berlin die kristallklare Trennung zwischen Affäre und Beziehung (dazu später noch viel mehr) und es ist entscheidend, wie und an welchem Ort - ob im Nachtleben oder anderenorts (es scheint nur diese beiden Möglichkeiten zu geben) - man sich kennen lernt.

Übrigens habe ich es kürzlich nach 12 Jahren Nachtleben in Berlin zum ersten Mal geschafft, einen Pakt zu schließen. Und was soll ich sagen? Er ist gleich wieder zerplatzt. Wir haben am nächsten Tag (einem Sonntag) nicht telefoniert, weil sie nicht zu erreichen war und aus einem anderen Grund, den ich beim besten Willen nicht preisgeben kann. Am Montag hat sie mir eine SMS geschickt, dass ihr Herz leider jemand Anderem gehört, auch wenn sie das an unserem Abend gerne vergessen wollte. "Hört sich komisch an und ist es auch....".