Freitag, 12. März 2010

Zu anstrengend

Gut. Wir können ja auch mal einen Schritt von den Nachtlebenthemen weg gehen und uns mit allgemeineren Dingen beschäftigen.

Ein Phänomen, das sich bei meinen Bekannten ebenfalls schon leicht fortgeschrittenen Alters und teilweise auch bei mir beobachten lässt ist, dass Beziehungen oder auch Affären gar nicht mehr erst eingegangen werden mit der Begründung: Diese Person ist mir zu anstrengend.

Wäre Mann vor ein paar Jahren noch begeistert gewesen von Psychomacken, Frauen, die sich in privat ebenfalls wie Schauspielerinnen benehmen, Frauen, die stark zur Devotheit neigen oder auch welche, die schlichtweg unberechenbar sind, werden Personen mit solchen Verhaltensweisen mittlerweile schon vorab ausgesiebt. Hat natürlich mehr mit Erfahrungen zu tun als mit dem virulenten Partnerbörsenabgechecke, aber vielleicht auch mit letzterem ein wenig. Und damit dass Partnerbörsen wie Berlin als Ganzes eine virtuelle unbegrenzte Auswahl vorgaukeln.

Wir wünschen uns immer noch, dass es einfach funkt und ineinander fließt. Dass es immer so leicht sein wird, wie beim ersten Kennenlernen. Ein verständlicher Wunsch. Dagegen spricht die Redeweise von "Liebe ist Arbeit" und wie wir wissen, wird es in den meisten Fällen früher oder später zumindest teilweise sowieso anstrengend, Arbeit, stressig, nervig oder was man sich noch für Synonyme ausdenken kann.

Interessant ist eben nur das frühe Aussortieren, wenn einem eine Person zu schnell als "anstrengend" erscheint. Liegt es vielleicht auch daran, dass der Alltag schon anstrengend genug ist? Bei den meisten Leuten, die ich kenne, hält sich das in Grenzen, auch wenn sie Anderes erzählen mögen. Daran kann es also eigentlich nicht liegen. Aber es scheint einer dieser Begriffe zu sein, die aus der Berufswelt in die Partnerwelt hinüber geschwappt sind - ebenso wie noch abartigere Begriffe: "Gefühle investieren", "Lebensabschnittspartner" oder die an Kosten- und Nutzenrechnungen angelehnten Plus-Minus-Bilanzen für potenzielle oder schon aktuelle Partner. Kennt Ihr weitere? Adorno lässt in jedem Fall grüßen. Eine gute Zeit, um mal wieder die "Minima Moralia" zu lesen.