Freitag, 13. August 2010

Alle toll!

Für nebenbei mal etwas Anekdotenhaftes.

Bei einer kürzlich erfolgten ärztlichen Untersuchung, deren genauen Betreff ich ausspare, habe ich eine ziemlich coole Narkose bekommen, genauer gesagt war es eine Art Dämmerzustand, der sich aber durchaus positiv auf meine Laune ausgewirkt hat und mit der mir die mindestens halbstündige Untersuchung wie höchstens drei Minuten vorkam. Dieser Arzt muss noch mehr funky Mittel auf Lager haben, da genau vor mir ein äußerst verwirrter Typ beim Erschleichen von Rezepten ertappt wurde und ich somit sehr lange mit einem durchsichtigen Höschen auf dem Untersuchungstisch auf den Arzt warten musste, der noch ein paar Sachen bei den drei Wachmännern zu Protokoll geben musste.

Anschließend attestierte mir der Arzt fehlende Zurechnungsfähigkeit für den Rest des Tages. Ich solle zum Beispiel heute keine Verträge mehr unterzeichnen und auch nicht (und die Aussage fand ich erstaunlich) mehr Frauen ansprechen heute, da ich sowieso alle toll finden würde.

Das habe ich dann natürlich leicht wankend, aber frohen Mutes dann auf dem Nachhauseweg auch gleich ausprobiert. Hat aber nur bedingt funktioniert. Ja, die eine oder andere fand ich vielleicht hübscher als im Normalzustand und auch den angestrengten Müttern gegenüber war ich etwas wohlwollender gestimmt.

Vor allem dachte ich aber, dass das doch eigentlich mal ein guter Ausgangszustand wäre, Frauen kennen zu lernen, wenn man sie erst einmal alle toll finden würde. Und ich hab mich gefragt, was der Arzt dagegen hatte. Wollte er mich davor warnen, an die Falsche zu gelangen? Wollte er die Frauen davor warnen, an mich in meinem leicht debilen Zustand zu gelangen? Oder kennt er die manchmal sehr hinderliche Berliner Eigenart, sich eben nicht mit jedem zu unterhalten und lieber zwei Jahrzehnten auf die Richtige oder den Richtigen zu warten, weil man sich einbildet, über die Jahre herausbekommen zu haben, wer zu einem passt und wer nicht.

Jedenfalls würde ich gerne mal mit diesem Medikament ausgehen und schauen, was passiert. Wenn es jemand kennt, bitte schreiben, wie es heißt.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Kuss in den Mai

Hier als Nachtrag drei Erlebnisberichte von drei Jungs Anfang bis Ende Dreißig, die in den Mai geküsst haben. Es war derselbe Abend, dieselbe nächtliche Reisegruppe und doch drei unterschiedliche Geschichten.

1. Kussallergie

Freitagnacht zeigt mir ein Kumpel diesen kleinen Club in Kreuzberg von dem er total begeistert ist. Nach kurzer Wartezeit in der Traube vor der Tür dürfen wir rein. Es ist eng und ausgelassen. Wir stehen eine Weile wie Sardinen an die Tanzfläche gequetscht und lauschen andächtig der Vintage-Housemusik. Mit der nächsten Traube kommt eine ulkige kleine Blondine rein und drängt sich an mir vorbei. Schade, dass mir gerade kein origineller Spruch einfällt. Stattdessen gehen wir eine Empore hoch zur Bar. Dort erzähle ich einer etwas versnobt aussehenden Brünetten mit D&G-Tasche, dass das hier ein Paradies für Frottierer sein müßte und ernte verständnislose Blicke. Plötzlich steht die ulkige kleine Blondine zwischen uns und ich frage sie ob sie denn wenigstens Frottierer kennt. Nein. Ich halte einen kurzen Vortrag über die Frottierer-Szene in Japan und erzähle ihr von dortigen Etablissements, die eingerichtet sind wie U-Bahn-Waggons, in denen sich die Fetischisten an professionellen Damen in Schulmädchenkostümen reiben. Um das ganze zu verdeutlichen reibe ich mich an ihr. Sie lacht - vielversprechend!

Wir stehen an der Reling, die die Tanzfläche überblickt und unterhalten uns über dies und das. Die ulkige kleine Blondine und ich verstehen uns gut. Wir stehen dicht gedrängt einander zugewandt, ok es ist eng hier, aber so eng dann auch wieder nicht. Bei einer spöttischen Bemerkung meinerseits haut sie mir spielerisch gegen den Arm, ich knuffe sie dafür in die Seite. Sie kichert und schaut mich mit tanzenden Augen an. Einen Moment lang ist Ruhe (bis auf die ohrenbetäubend wummernde Musik und 150 schreiende Partygäste). Langsam setze ich zum Angriff an. In letzter Sekunde dreht sie ihren Kopf um 45 Grad und ich lande mit dem Kuss auf ihrer Backe. Etwas irritiert beglückwünsche ich sie zu ihrem guten Reaktionsvermögen. Sie beschwert sich, was denn immer diese Knutscherei solle. Ich sage ihr, dass man sich vor dem Sex doch meistens küsst, aber sie versteht mich nicht und den Spruch wiederhole ich nicht nochmal.

Später schnappen wir draußen frische Luft, es ist kalt, ich versuche sie etwas zu wärmen, indem ich sie an mich drücke. Zweiter Angriff, wieder Backe. Ich mache mich über ihre Kussallergie lustig und gehe wieder rein.

Irgendwann ist es 6 und die ulkige kleine Blondine ist müde. Sie will eigentlich seit einer halben Stunde gehen, aber tut es nicht. Sie schaut mich erwartungsvoll an. Plötzlich ist wieder so ein Moment da - die Musik scheint sich auszublenden, die Zeit bleibt stehen, die zappelnden Leiber verschwinden, nur noch sie und ich existieren... ich lehne mich vor, nähere mich langsam ihrem Mund – und sie dreht sich nicht weg! Dann küsse ich sie...auf die Backe! Freiwillig! Mein Gott, man hat mich konditioniert wie einen Hund! Sie geht enttäuscht nach Hause, ich bleibe enttäuscht da.

Die Woche drauf treffen wir uns nochmal auf einen Drink aber ich habe keine Lust mehr sie zu küssen.

2. Sie wollte nur meine Tüte

Nachdem eine Party zwar ganz nett war, aber doch wenig Frauen mit Flirtbereitschaft vorhanden waren, beschlossen wir als Gruppe die location zu wechseln und zum mir sehr geliebten "Farbfernseher" zu gehen.

Dort angekommen passierte das, was mir sonst auch so oft passiert. Nämlich nichts. Doch nachdem wirklich einige Zeit vergangen war, ich mich ab und an auf der Tanzfläche zu den hervorragend monotonen Technobeats berieseln lassen hab und hier und da mit süßen Frauen ins Gespräch gekommen bin, hab ich sie entdeckt. Eine liebreizende Gestalt, die sich auf einer Sitzbank hingestellt hatte und dort oben sehr nice in den Mai tanzte. Gut, da musste ich also hin….wenn man sich das nur trauen würde. Nicht nachdenken und hin. Mehr als einen Korb kassieren geht ja gar nicht. Nein, ich bin dann doch nicht hin, sondern hab nur immer in ihre Richtung gestarrt. Irgendwann war sie dann erschöpft und hat sich auf die Bank zur Ruhe gesetzt und in ihrer Handtasche nach etwas gesucht.

Wenn nicht jetzt, dann nie! Ich hab sie angesprochen, sie ist gegangen. Na super! Aber dann habe ich gemerkt, dass sie mit drei Freundinnen da war. Lange Rede kurzer Sinn. Es war wirklich schon spät, 7 Uhr morgens, als ich von der Tanzprinzessin mit gezerrt wurde noch wo anders hinzugehen! Schön und gut, aber wo? Der Türsteher des Ladens, 3 Mädels, ein guter Freund von einer und ich waren also auf der Suche nach dem Kick. Der Türsteher kannte sich aus und schleppte uns in einen Schwulenladen! Nicht gerade the place to be für mich, aber die Musik war wirklich sehr gut und wir haben uns alle nett unterhalten.

Die Mädels haben sich mit dem Türsteher innig unterhalten und ich dachte mir, dass ich mein Glück bei einer anderen Frau, die vor mir am Tresen stand, suchen sollte. Großer Fehler. Man sollte sich lieber auf Eine festlegen. Naja, so hatte ich den Salat. Sie hatte eine Freundin dabei, die irgendwie geil war und gleich was von ficken gesagt hat. Geil! Aber das waren dann doch nur leere Worte und stattdessen war sie voll geil, eine Tüte von meinem Zeug zu bauen. Da sie neben mir saß und ich ihre Ausstrahlung rattenscharf fand, habe ich sie dann erst mal abgeknutscht. Beim Knutschen ist es auch geblieben, da sie dann später auf einmal eine Gruppe mit ihrer Freundin um sich gescharrt hatte und ich sie von den anderen nicht abkapseln wollte. Das war mein Kuss in den Mai. Zwar nicht viel passiert, aber für meine Verhältnisse irgendwie schon!

3. Größenunterschiede

Nach einer schlecht besuchten eigenen Veranstaltung bin ich zum befreundeten Filmfuzzi in sein sehr lautes, sehr altes und leicht angeberhaftes Auto gestiegen, um dem Abend noch etwas Erfreulicheres abzugewinnen. Ein weiterer Filmfuzzi plus eine der Damen, die der erste Filmfuzzi immer massenhaft einlädt, wenn er zum Beispiel auflegt, waren ebenso mit an Bord.

Schnell stellte sich heraus, dass sich unsere Wege in dieser Nacht zum Mai trennen würden, da die Filmfuzzis partout in einen winzigen Technoclub wollten, die Dame mir aber beipflichtete, dass eine andere location draußen an dieser schon ziemlich lauen Frühlingsnacht geeigneter wäre.

In einem waghalsig langen Marsch vom Kottbusser Tor bis zur Arena lernten wir uns erst einmal kennen. Sie schreibt auch, etwas anderes natürlich, aber es gab Berührungspunkte und ich mochte ihre Ernsthaftigkeit. Es gibt gar nicht mehr so viele Frauen, die auch noch etwas anderes drauf haben als Ironie.

Wir landeten schließlich im bekannten Club am Wasser um die Ecke, da die Arena mehr was für Abiturienten war. Dort unterhielten wir uns recht intensiv weiter - über die Kunst, freies Arbeiten mit Nachteilen und Vorteilen und irgendwann sah ich die Zeit gekommen, sie zu küssen. Wenn man sich gerade drei Stunden kennt, ist das wohl zwangsläufig etwas überfallartig, aber sie hat offenbar gerne mitgemacht.

Wir waren auch noch bei mir und haben lange weitergequatscht, geküsst, gestreichelt. Recht schüchtern das Ganze, aber so will ich das ja von jetzt an halten. Wie mit 16 eben wieder.

Sie ist irgendwann nach Hause gegangen, was nicht sehr weit entfernt war. Leider schrieb sie schon am übernächsten Tag eine Mail, in der sie ihre Zweifel darüber, ob das was mit uns werden könnte, offenbarte. An der Tatsache, dass sie etwas größer ist als ich konnte es nicht liegen. Das hatten wir in der Nacht schon geklärt. Sie meinte, dass merkt man im Liegen ja nicht. Stimmt! Manchmal scheint vieles so einfach zu sein. War es dann aber eben doch nicht. Immerhin war sie ehrlich und hat es eindeutig kommuniziert. Und es war definitiv eine schöne Nacht nach verpatztem Abend.



Freitag, 23. April 2010

Unberechtigter Zweifel

Ich lese gerade mal wieder ein Buch zu meinem Lieblingsthema, nämlich "Treffen sich zwei" von Iris Hanika. "Eines der klügsten Bücher über die Liebe in letzter Zeit", sagt die "Brigitte" und ich denke genau, jetzt weiß ich auch, was mich etwas daran stört, nämlich dass es etwas brigittehaftig ist, aber es hat seine Stärken besonders darin, glaubhaft zu veranschaulichen, wie man sich mit den ständigen Zweifeln über das, was man gerade tut in einen Zustand bringt, in dem man nur noch denken kann: "Alles versaut. Scheiße. Selber schuld". Und den permanenten unberechtigten Zweifel bringt folgendes Gedicht schön auf den Punkt:

"Wenn erst alles recht gerichtet ist,
lebt man in fragilem Gleichgewicht,
traut nämlich diesem Frieden nicht,
weil es doch unmöglich sein kann eigentlich,
dass einmal alles recht gerichtet ist.
Drum genügt dann schon ein Hauch,
wie von einer Daune, die dem Bett entwich,
mehr braucht's da nicht,
und gleich fragt man und wundert sich,
ob denn wirklich alles recht gerichtet ist,
und kommt prompt aus dem Gleichgewicht.
Ja, so ist das Leben."

Man muss dazu sagen, dass die Protagonistin in dem Buch alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann, sprich am ersten Abend nach dem "O-Paradies" gleich mit dem Typ ins Bett und die nächsten zehn Abende immer wieder, bis sie sich irgendwann fragte, ob ein Systemberater wirklich zu einer Galeristin passt, ob sie seine merkwürdige Statur nicht einfach nur hässlich findet und ob es nicht doch problematisch sei, dass sie in den zehn Nächten nur einmal gekommen bist. Das führt dann dazu, dass sie ihm völlig betrunken vor versammelter Mannschaft beim Italiener sagt, dass er in Zukunft nicht immer so schnell abspritzen möge.

Aber dass sich das Kopfkino einschaltet, sobald die Person weg ist, mit der man meistens eher plötzlich in körperliche Verwicklungen geraten ist, kennt wohl jeder Berliner. Man kann es nicht abschalten und Reflektion ist ja auch wichtig und gut. Ich sage immer, man merkt am ehesten, dass etwas funktioniert, wenn man sich auch alleine zuhause immer noch sicher ist, dass das schon alles so richtig war. Aber das ständige Grübeln kann eben auch etwas zerstören, bevor etwas überhaupt angefangen hat. Das beste Zeichen ist, wenn man sich, wenn man dann wieder alleine ist, nichts besseres vorstellen kann, als sich wie der Typ im Buch mit einem Bier im Sommer auf die Bank zu setzen und völlig gehirnamputiert dauergrinsend an das zu denken, was da gerade so alles passiert ist.

Dienstag, 13. April 2010

Polyamorie

Polyamorie ist das neue Ding. Heisst soviel wie Liebesbeziehung zu mehr als einem Partner. Trifft man zurzeit immer häufiger im Netz an und "37°" hat es auch schon am Wickel.

Es gestaltet sich ein wenig schwierig diesem Diskurs etwas wirklich Interessantes abzugewinnen, denn von den Alten Griechen über die Kommune 1 bis zu heutigen Netzwerken haben da alle irgendwie ihre Erfahrungen gemacht und man kommt immer wieder an die selben Punkte wie Eifersucht, Persönlichkeitsentwicklung, abwechslungsreicher Sex undsoweitergähn...

Interessant finde ich es nur als Gegenpol zur Vereinzelung in Großstädten, aber in seiner radikalen Form führt es eben notwendig zu Problemen wie Eifersucht und tagelanges Gelaber über hausgemachte Befindlichkeiten, die dann plötzlich viel größer werden als bei monogamen Beziehungen. Leute, die das wirklich leben, werden mir widersprechen. Kann sicherlich auch funktionieren. Aber ist man wirklich ein besserer Mensch, wenn man seine "gesunde" Eifersucht überwunden hat und seiner Freundin beim Ficken zuschauen kann. Ich weiß ja nicht. Jedenfalls: Sobald der Spiegel sein Titelthema dazu macht, braucht man nicht lange warten, bis 18jährige "das auch mal ausprobieren" wollen und dann ist es wieder nichts weiter als ein Zungenkuss zwischen Freundinnen, die wissen, das sowas jetzt "cool" ist.

Postmoderne Realitätsfalle. Ich werde demnächst polyamoröse Leute interviewen und das Ergebnis auf die eine oder andere Art kundtun, wenn ich denn etwas Interessantes erfahre.

Freitag, 12. März 2010

Zu anstrengend

Gut. Wir können ja auch mal einen Schritt von den Nachtlebenthemen weg gehen und uns mit allgemeineren Dingen beschäftigen.

Ein Phänomen, das sich bei meinen Bekannten ebenfalls schon leicht fortgeschrittenen Alters und teilweise auch bei mir beobachten lässt ist, dass Beziehungen oder auch Affären gar nicht mehr erst eingegangen werden mit der Begründung: Diese Person ist mir zu anstrengend.

Wäre Mann vor ein paar Jahren noch begeistert gewesen von Psychomacken, Frauen, die sich in privat ebenfalls wie Schauspielerinnen benehmen, Frauen, die stark zur Devotheit neigen oder auch welche, die schlichtweg unberechenbar sind, werden Personen mit solchen Verhaltensweisen mittlerweile schon vorab ausgesiebt. Hat natürlich mehr mit Erfahrungen zu tun als mit dem virulenten Partnerbörsenabgechecke, aber vielleicht auch mit letzterem ein wenig. Und damit dass Partnerbörsen wie Berlin als Ganzes eine virtuelle unbegrenzte Auswahl vorgaukeln.

Wir wünschen uns immer noch, dass es einfach funkt und ineinander fließt. Dass es immer so leicht sein wird, wie beim ersten Kennenlernen. Ein verständlicher Wunsch. Dagegen spricht die Redeweise von "Liebe ist Arbeit" und wie wir wissen, wird es in den meisten Fällen früher oder später zumindest teilweise sowieso anstrengend, Arbeit, stressig, nervig oder was man sich noch für Synonyme ausdenken kann.

Interessant ist eben nur das frühe Aussortieren, wenn einem eine Person zu schnell als "anstrengend" erscheint. Liegt es vielleicht auch daran, dass der Alltag schon anstrengend genug ist? Bei den meisten Leuten, die ich kenne, hält sich das in Grenzen, auch wenn sie Anderes erzählen mögen. Daran kann es also eigentlich nicht liegen. Aber es scheint einer dieser Begriffe zu sein, die aus der Berufswelt in die Partnerwelt hinüber geschwappt sind - ebenso wie noch abartigere Begriffe: "Gefühle investieren", "Lebensabschnittspartner" oder die an Kosten- und Nutzenrechnungen angelehnten Plus-Minus-Bilanzen für potenzielle oder schon aktuelle Partner. Kennt Ihr weitere? Adorno lässt in jedem Fall grüßen. Eine gute Zeit, um mal wieder die "Minima Moralia" zu lesen.

Montag, 8. Februar 2010

GGI - Glotzen Geht Immer

Wenn eines immer geht im Berliner Nachtleben, dann ist es glotzen. Glotzen is King. Manchmal, wenn ich mit meiner besten Freundin ausgehe, ist sie wirklich zufrieden, wenn sie von mindestens einem Typen eindeutig angeglotzt wird. Sie sagt dann immer, sie könne jetzt beruhigt und "glücklich" schlafen gehen. Ich sehe das ein bisschen anders, weil eben immer geglotzt wird, sich das ganze Spiel sehr schnell abnutzt und meistens nicht zu irgendwas Kommunikativem führt, was nun einmal die Voraussetzung für irgendwas potenziell Interessantes ist.

Im ehemaligen Rio war das phänomenologisch extrem. Man brauchte sich nur den perfekten Übersichtspunkt aussuchen (den meine besten Freundin und ich immer gefunden haben) und einfach abwarten.

Dann kamen oft ganze Riegen von sehr aufwändig gestylten Mittemädchen an einem vorbei und man konnte: Glotzen. Die Ausbeute an glotzkompatiblem Material für meine Freundin war da schon immer etwas eingeschränkter. Wir haben uns oft gefragt, für wen sich die Mädchen stundenlang zurecht stylen und auf dem legendären Rioklo sogar nochmal mit Handshampoo Haare nachdurchwaschen. Für die virulente, nerdige Prä-HotChip-Brillifraktion kann es realistisch betrachtet ja wohl kaum gewesen sein. Aber für wen dann? Oft bestehen Berliner Szenenächte aus einem sehr harten Kontrast zwischen Imagination und Wirklichkeit. Irgendwann trotten die allermeisten recht unbefriedigt nach Hause. Man stellt sich das Ganze in Hanau völlig realitätsfremd vor.

...Aber am Ende der Nacht haben alle irgendwen angeglotzt.








Donnerstag, 28. Januar 2010

Liebe verstehen

Es gibt so ein Phänomen: Man denkt über Liebe nach. Ich tue das oft in einer retrospektiven Weise, um zu verstehen, was da letztens gerade genau passiert ist und aus welchen Gründen etwas schief gegangen ist. Dann meine ich etwas über diesen Einzelfall verstanden zu haben und nehme mir manchmal etwas anderes für das nächste Mal vor und schwupps kommt eine neue Frau, bei der dieselben Dinge, über die ich nachgedacht habe, prinzipiell anders gelagert sind und das Nachdenken geht von vorne los. Ich habe oft den Eindruck, dass jedes Mal, wenn man denkt, etwas über die Liebe verstanden zu haben, sie einem wie ein glitschiges Stück Seife in den Händen weggleitet.

Nehmen wir Beispiele, die wir schon kennen: Man nimmt sich aus strategischen Gründen vor, sich erst drei Tage später nach dem ersten Treffen wieder zu melden. Aber die neue Frau hat überhaupt kein Problem damit, wenn man sich gleich am nächsten Tag schon meldet. Im Gegenteil: Sie findet es sogar super, wenn man das macht. Eher noch wundert sie sich vielleicht ein bisschen, warum man nicht schon längst angerufen hat.

Anderes Beispiel: Der Pakt. Man schließt des nachts einen Pakt mit einer Frau, jetzt sofort aufzuhören zu knutschen und sich demnächst vernünftig kennen zu lernen. Dann wird man aber kurz darauf benachrichtigt, dass ihr Herz eigentlich vergeben ist und mehr als eine Nacht relativer Nähe somit sowieso nicht machbar gewesen wäre. Und auch nur, wenn sie etwas getrunken hat. Wäre sie eine andere Frau zu einer anderen Zeit gewesen, hätte es vielleicht funktioniert. Was demnach nicht gegen die Pakttheorie spricht. Oder doch? Muss man einfach nur Glück haben, dass zwei Menschen zur selben Zeit am selben Ort dasselbe wollen? Ist es so einfach und banal?