Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das X mit der Attraktion (2)

Also: Attraktivität ist der Grundmotor. Und man kann ihn nicht abstellen. Man kann Personen auf den ersten oder auch den zweiten Blick attraktiv finden. Bei mir hat es sich immer gelohnt, den zweiten Blick zu riskieren. Der utopische Zustand wäre vielleicht einer, bei dem es gar nicht mehr auf Attraktivität ankommt, aber das kann man getrost vergessen. Es hat nunmal immer etwas damit zu tun - nach dem ersten Treffen und auch noch nach Jahren. Glücklich sind diejenigen, die ihren Partner auch noch nach Jahren attraktiv finden. Das macht einiges einfacher.

Aber abgesehen davon, dass Attraktivität auch immer etwas damit zu tun hat, dass man dieses Attraktive entdecken, fühlen, schmecken und vielleicht auch besitzen möchte, hat es doch auch eine schöne Seite, weil man bestimmte Dinge am Anderen eben nun einmal schön findet. Toll, wenn man es schafft - und da kann man ja mal den alten Hegel herbeiziehen - diese Person "für sich", ganz abstrakt schön findet, ganz allein als Individuum, wie es da steht ohne immer gleich den Bezug auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse herzustellen. Reine Theorie, ich weiß, aber ich glaube schon, dass das das Ideal ist. Und auch, dass diese Perspektive möglich ist.

Aber es geht ja im Speziellen um Berlin und da finde ich es schon pubertär, wenn sich Attraktivität unter anderem darin ausdrückt, wann man sich beim Anderen meldet. Irgendwie kursiert das ungeschriebene Gesetz, man solle sich (und das gilt in aller Regel für Männer) nicht vor drei Tagen nach der ersten Begegnung melden. Wer hat das gesagt und warum halten sich alle daran ???? Und tatsächlich geriet es mir immer zum Nachteil, wenn ich mich schon am nächsten Tag gemeldet habe. Einmal habe ich es offen ausgesprochen: "Ich habe keine Lust, mich an solche bescheuerten Regeln zu halten" und siehe da: Sie hat es verstanden und es geriet mir doch nicht zum Nachteil. Warum es letztlich doch nicht weiter gegangen ist, liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns beide auf Dauer letztlich nicht attraktiv genug gefunden haben. Als der Kick da war, haben wir es ausgelebt. Danach: Aus dem Kick, aus dem Sinn.

Und dann gibt es wie gesagt immer noch das Problem, dass einer den anderen immer geiler findet. Hat Luhmann schon beschrieben: Liebe ist immer asymmetrisch gebaut. Ich glaube, er meinte nicht unbedingt Sexualität, worauf es uns ja immer ankommt. Es gibt immer einen, der handelt und einen, der erlebt, hat er geschrieben. Also letztlich ist einer immer aktiv und einer passiv. Einer versucht, den anderen zu beeindrucken, der andere nimmt es mit und findet es irgendwann echt langweilig. There's no way out.

Zur Attraktion ist wohl alles gesagt. Deswegen hier noch eine Utopie zum Jahresende, wo das Ganze keine Rolle spielt, sondern zwei Menschen bzw. zwei Maschinen aus anderen Gründen zueinander passen :-)

Frohes neues Jahr und wir werden die Liebe in Berlin im nächsten Jahr weiter durch analysieren, oder :-) Mir macht es jedenfalls Spaß !!! Und es gibt noch sooo viele Themen und Perspektiven und Details zu erforschen. Es gilt, den Wahnsinn und den Spaß darzulegen so wie er nunmal ist.

Freitag, 18. Dezember 2009

Das X mit der Attraktion (1)

Attraction is a bitch!

Attraktion bzw. Attraktivität ist flüchtig und sie schafft Probleme. Du lernst eine Frau im... dreimaldarfmanraten... na klar, in mindestens 90% der Fälle NACHTLEBEN kennen und unterhältst dich mit ihr und denkst WOW, neu, anders, in Berlin schon meistens auch äußerlich attraktiv und vor allem: Es gibt ein neues Universum zu entdecken. Ergo: Das findest du aus heiterem Himmel sehr attraktiv. Doppelergo: Attraktion heißt Neugier. Wenn es für mehr als ein flüchtiges Gespräch reicht, heißt das: Bingo. Sie findet dich auch attraktiv.

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, ob man schon in der ersten Nacht Sex hat oder erst der nächsten oder maximal übernächsten, trefft ihr euch also wieder und dann gibt es leiderleider meistens schon recht bald den Punkt, an dem einer merkt, dass er den Anderen doch nicht ganz so geil findet, wie er es zunächst angenommen hatte.

Meistens sind das ganz kleine Details, die sich summieren. Oder anders gesagt: Da schleicht sich wie in Horrorfilmen etwas ein, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hatte. Wegen des Detailreichtums ist jede Aufzählung eigentlich ein Klischee, aber wenn man denn Beispiele lesen möchte: Dass sie im Schaf schnarcht und wirres Zeug redet, findet man mindestens irritierend und wenn man ehrlich ist: unattraktiv. Dass er zum Einschlafen "Benjamin Blümchen"-Kassetten hört...hey, eher ungeil! - vor allem, weil er schon Ende 30 ist. Dass sie komische Gesichter beim Sex macht, hmm, wer auf Horrorfilme steht, findet das vielleicht sogar attraktiv...Es soll ja die ulkigsten Fetische geben.

Worauf ich hinaus will: attraction is not only a bitch but an evil love killer! Das heißt: Eigentlich ist das Erkennen eines Mangels an Attraktivität ein böser narzisstischer Gedankenakt, aber wenn man den Umkehrschluss zulässt, dann ist es auch schon der Gedankenakt "Diese Person finde ich attraktiv", der narzisstisch und böse ist, weil man eine ganze Person auf seine eigenen Gedanken "Geil, will ich entdecken, riechen, schmecken, fühlen" reduziert.

Das eigentliche Problem besteht allerdings darin, dass einer den Anderen immer geiler findet. Und dass Attraktivität im Grunde eine dumme Sache ist, die sich in dummen Dingen manifestiert wie ob sich jemand beim Anderen meldet oder nicht. Und dass man Attraktivität als Grundmotor nicht einfach ausstellen kann.

Aber dazu später mehr...


Freitag, 4. Dezember 2009

Einlassen

Das Sich-Einlassen ist der Schlüssel. Schlüssel für die Möglichkeit von Liebe in Berlin (sicher auch in anderen Städten, Kleinstädten und Dörfern). Dafür muss man jedoch etwas Zentrales aufgeben: Die Illusion, dass an der nächsten Straßenecke, auf der nächsten Party eine Frau/ein Mann sein könnte, der einem alles bietet, was man sich wünscht.

Diese Illusion kann sich hartnäckig halten. Denn tatsächlich begegnen einem in Berlin ständig Menschen, die auf den ersten Blick sehr attraktiv erscheinen. Manchmal in einem Club, aber oft auch einfach auf der Straße, wo es nicht angebracht erscheint, diese Person einfach anzusprechen und dennoch bleibt der ständige Reiz.

Das Begehren hört nicht auf, da braucht man sich erst gar keine Illusionen machen: "Das Begehrenswerte sättigt nicht das Begehren, sondern vertieft es, es nährt mich gewissermaßen mit neuem Hunger" (Levinas). Das kann durchaus auch mit EINER Frau passieren, meistens passiert es mit ganz unterschiedlichen Frauen.

Unbewusst findet man also immer etwas, was man sich nicht gewünscht hat - mangelnde seelische Verbundenheit, mangelnde sexuelle Anziehungskraft, mangelnde gemeinsame geistige Ebene - und das Perfide ist, dass es genau immer dieser Mangel ist, der ein neues Begehren hervorruft.

Man muss sich allerdings klar machen, dass der eigene Wunsch, der letztlich der narzisstische Anspruch auf Liebe durch den Anderen (so wie man sich ihn wünscht) ist, exakt den Tod des Anderen bedeutet, indem er genau den Anderen in seinem Anderssein leugnet und auf seinen eigenen Anspruch reduziert.

Ergo ist die einzige Möglichkeit die fatale unendliche Kette des Begehrens zu durchbrechen, sich auf den Anderen einzulassen, so wie er ist. Und keinen Deut davon abzuweichen.