1. Kussallergie
Freitagnacht zeigt mir ein Kumpel diesen kleinen Club in Kreuzberg von dem er total begeistert ist. Nach kurzer Wartezeit in der Traube vor der Tür dürfen wir rein. Es ist eng und ausgelassen. Wir stehen eine Weile wie Sardinen an die Tanzfläche gequetscht und lauschen andächtig der Vintage-Housemusik. Mit der nächsten Traube kommt eine ulkige kleine Blondine rein und drängt sich an mir vorbei. Schade, dass mir gerade kein origineller Spruch einfällt. Stattdessen gehen wir eine Empore hoch zur Bar. Dort erzähle ich einer etwas versnobt aussehenden Brünetten mit D&G-Tasche, dass das hier ein Paradies für Frottierer sein müßte und ernte verständnislose Blicke. Plötzlich steht die ulkige kleine Blondine zwischen uns und ich frage sie ob sie denn wenigstens Frottierer kennt. Nein. Ich halte einen kurzen Vortrag über die Frottierer-Szene in Japan und erzähle ihr von dortigen Etablissements, die eingerichtet sind wie U-Bahn-Waggons, in denen sich die Fetischisten an professionellen Damen in Schulmädchenkostümen reiben. Um das ganze zu verdeutlichen reibe ich mich an ihr. Sie lacht - vielversprechend!
Wir stehen an der Reling, die die Tanzfläche überblickt und unterhalten uns über dies und das. Die ulkige kleine Blondine und ich verstehen uns gut. Wir stehen dicht gedrängt einander zugewandt, ok es ist eng hier, aber so eng dann auch wieder nicht. Bei einer spöttischen Bemerkung meinerseits haut sie mir spielerisch gegen den Arm, ich knuffe sie dafür in die Seite. Sie kichert und schaut mich mit tanzenden Augen an. Einen Moment lang ist Ruhe (bis auf die ohrenbetäubend wummernde Musik und 150 schreiende Partygäste). Langsam setze ich zum Angriff an. In letzter Sekunde dreht sie ihren Kopf um 45 Grad und ich lande mit dem Kuss auf ihrer Backe. Etwas irritiert beglückwünsche ich sie zu ihrem guten Reaktionsvermögen. Sie beschwert sich, was denn immer diese Knutscherei solle. Ich sage ihr, dass man sich vor dem Sex doch meistens küsst, aber sie versteht mich nicht und den Spruch wiederhole ich nicht nochmal.
Später schnappen wir draußen frische Luft, es ist kalt, ich versuche sie etwas zu wärmen, indem ich sie an mich drücke. Zweiter Angriff, wieder Backe. Ich mache mich über ihre Kussallergie lustig und gehe wieder rein.
Irgendwann ist es 6 und die ulkige kleine Blondine ist müde. Sie will eigentlich seit einer halben Stunde gehen, aber tut es nicht. Sie schaut mich erwartungsvoll an. Plötzlich ist wieder so ein Moment da - die Musik scheint sich auszublenden, die Zeit bleibt stehen, die zappelnden Leiber verschwinden, nur noch sie und ich existieren... ich lehne mich vor, nähere mich langsam ihrem Mund – und sie dreht sich nicht weg! Dann küsse ich sie...auf die Backe! Freiwillig! Mein Gott, man hat mich konditioniert wie einen Hund! Sie geht enttäuscht nach Hause, ich bleibe enttäuscht da.
Die Woche drauf treffen wir uns nochmal auf einen Drink aber ich habe keine Lust mehr sie zu küssen.
2. Sie wollte nur meine Tüte
Nachdem eine Party zwar ganz nett war, aber doch wenig Frauen mit Flirtbereitschaft vorhanden waren, beschlossen wir als Gruppe die location zu wechseln und zum mir sehr geliebten "Farbfernseher" zu gehen.
Dort angekommen passierte das, was mir sonst auch so oft passiert. Nämlich nichts. Doch nachdem wirklich einige Zeit vergangen war, ich mich ab und an auf der Tanzfläche zu den hervorragend monotonen Technobeats berieseln lassen hab und hier und da mit süßen Frauen ins Gespräch gekommen bin, hab ich sie entdeckt. Eine liebreizende Gestalt, die sich auf einer Sitzbank hingestellt hatte und dort oben sehr nice in den Mai tanzte. Gut, da musste ich also hin….wenn man sich das nur trauen würde. Nicht nachdenken und hin. Mehr als einen Korb kassieren geht ja gar nicht. Nein, ich bin dann doch nicht hin, sondern hab nur immer in ihre Richtung gestarrt. Irgendwann war sie dann erschöpft und hat sich auf die Bank zur Ruhe gesetzt und in ihrer Handtasche nach etwas gesucht.
Wenn nicht jetzt, dann nie! Ich hab sie angesprochen, sie ist gegangen. Na super! Aber dann habe ich gemerkt, dass sie mit drei Freundinnen da war. Lange Rede kurzer Sinn. Es war wirklich schon spät, 7 Uhr morgens, als ich von der Tanzprinzessin mit gezerrt wurde noch wo anders hinzugehen! Schön und gut, aber wo? Der Türsteher des Ladens, 3 Mädels, ein guter Freund von einer und ich waren also auf der Suche nach dem Kick. Der Türsteher kannte sich aus und schleppte uns in einen Schwulenladen! Nicht gerade the place to be für mich, aber die Musik war wirklich sehr gut und wir haben uns alle nett unterhalten.
Die Mädels haben sich mit dem Türsteher innig unterhalten und ich dachte mir, dass ich mein Glück bei einer anderen Frau, die vor mir am Tresen stand, suchen sollte. Großer Fehler. Man sollte sich lieber auf Eine festlegen. Naja, so hatte ich den Salat. Sie hatte eine Freundin dabei, die irgendwie geil war und gleich was von ficken gesagt hat. Geil! Aber das waren dann doch nur leere Worte und stattdessen war sie voll geil, eine Tüte von meinem Zeug zu bauen. Da sie neben mir saß und ich ihre Ausstrahlung rattenscharf fand, habe ich sie dann erst mal abgeknutscht. Beim Knutschen ist es auch geblieben, da sie dann später auf einmal eine Gruppe mit ihrer Freundin um sich gescharrt hatte und ich sie von den anderen nicht abkapseln wollte. Das war mein Kuss in den Mai. Zwar nicht viel passiert, aber für meine Verhältnisse irgendwie schon!
3. Größenunterschiede
Nach einer schlecht besuchten eigenen Veranstaltung bin ich zum befreundeten Filmfuzzi in sein sehr lautes, sehr altes und leicht angeberhaftes Auto gestiegen, um dem Abend noch etwas Erfreulicheres abzugewinnen. Ein weiterer Filmfuzzi plus eine der Damen, die der erste Filmfuzzi immer massenhaft einlädt, wenn er zum Beispiel auflegt, waren ebenso mit an Bord.
Schnell stellte sich heraus, dass sich unsere Wege in dieser Nacht zum Mai trennen würden, da die Filmfuzzis partout in einen winzigen Technoclub wollten, die Dame mir aber beipflichtete, dass eine andere location draußen an dieser schon ziemlich lauen Frühlingsnacht geeigneter wäre.
In einem waghalsig langen Marsch vom Kottbusser Tor bis zur Arena lernten wir uns erst einmal kennen. Sie schreibt auch, etwas anderes natürlich, aber es gab Berührungspunkte und ich mochte ihre Ernsthaftigkeit. Es gibt gar nicht mehr so viele Frauen, die auch noch etwas anderes drauf haben als Ironie.
Wir landeten schließlich im bekannten Club am Wasser um die Ecke, da die Arena mehr was für Abiturienten war. Dort unterhielten wir uns recht intensiv weiter - über die Kunst, freies Arbeiten mit Nachteilen und Vorteilen und irgendwann sah ich die Zeit gekommen, sie zu küssen. Wenn man sich gerade drei Stunden kennt, ist das wohl zwangsläufig etwas überfallartig, aber sie hat offenbar gerne mitgemacht.
Wir waren auch noch bei mir und haben lange weitergequatscht, geküsst, gestreichelt. Recht schüchtern das Ganze, aber so will ich das ja von jetzt an halten. Wie mit 16 eben wieder.
Sie ist irgendwann nach Hause gegangen, was nicht sehr weit entfernt war. Leider schrieb sie schon am übernächsten Tag eine Mail, in der sie ihre Zweifel darüber, ob das was mit uns werden könnte, offenbarte. An der Tatsache, dass sie etwas größer ist als ich konnte es nicht liegen. Das hatten wir in der Nacht schon geklärt. Sie meinte, dass merkt man im Liegen ja nicht. Stimmt! Manchmal scheint vieles so einfach zu sein. War es dann aber eben doch nicht. Immerhin war sie ehrlich und hat es eindeutig kommuniziert. Und es war definitiv eine schöne Nacht nach verpatztem Abend.