Samstag, 25. Juni 2011

Verlust

In letzter Zeit kommt es vermehrt vor, dass bei mir eine Begegnung mit einer Frau mit dem Verlust von Dingen einhergeht.

Bisher sind mir bei mehr oder weniger wilden Knutschereien folgende Dinge abhanden gekommen: Mindestens ein Profimusikerohrstöpsel (Gegenwert: € 90), das war bei einer in der Tat wilden Knutscherei im Mauerpark, nachdem ich dort überdreht "West End Girls" gesungen habe, dann meine ganze Tasche im Armystyle (Gegenwert: € 200) mit sämtlichen Dingen, die einen zum Beispiel auch identifizieren, was zur Folge hatte, dass ein Bulle mich mit gezogener Pistole in meine eigene Wohnung geleiten musste und dann kürzlich mein Fahrrad nach einer Knutscherei im Park, bei dem ich eigentlich warten wollte, dass es auf natürliche Weise das Zeitige segnet, wie bei einem Herzinfakt, was längst überfällig war (Gegenwert: € - 30).

Da fragt man sich dann, ob das irgendeinen Sinn hat. Also vielleicht einen Strafe für das Rumgeknutsche, was tatsächlich meistens nicht zu viel geführt hat, mithin irgendwie sinnlos war, aber wie konnten das die Räuber wissen? In dem Moment kommt es einem vor wie eine göttliche Strafe.

Oder aber es ist genau umgekehrt, dass man sich von materiellen Dingen trennen muss, um offen zu sein für etwas Menschliches. Da sind mehrere Lesarten denkbar.






Donnerstag, 12. Mai 2011

Das Pizzamädchen

Ich kannte mal einen, der war in die Pizzaverkäuferin in seiner Straße verliebt. Es hat ihm nicht gut getan.

Sie hatte rote Haare und eine liebliche Stimme. Es war vor allem ihre Stimme, die er täglich hören wollte und weshalb er an jedem Tag, egal welches Wetter es gab, eine Pizza bei ihr essen ging. Sie war jung, viel jünger als er, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und er freute sich jeden Tag auf den Moment, in dem sie zum Ofen ging, um seine fertig gebackenen Stücke heraus zu holen, weil er dann drei Sekunden Zeit hatte, ihren etwas zu großen, aber sehr wohl geformten Hintern anzuschauen.

Ihre Konversation ging nicht über "Zwei Stücke mit Thunfisch" und "4 Euro bitte" und "Danke" hinaus. Irgendwie ergab sich für ihn nie die Möglichkeit, ihr auch nur "Einen schönen Tag noch" zu wünschen. Er fand für sich nie den richtigen Moment, so etwas zu sagen, es fühlte sich einfach nicht richtig an.

Jeden Tag überlegte er sich, bevor er zum Pizzaladen aufbrach, wie er sie persönlich ansprechen könnte, ohne dass es gezwungen wirkt. Aber je mehr er sich es überlegte, desto höher wurde sein Anspruch an sich selbst. Vor allem der Einstieg bereite ihm Sorgen: Sie zu fragen, ob sie jeden Tag arbeiten würde hatte sich damit erledigt, dass er jeden Tag da war. Sie einfach nach ihrem Feierabend oder ihrer Nummer zu fragen, erschien ihm zu eindeutig. Sowieso war er längst über den unverfänglichen Punkt längst hinaus, weil sie sicherlich schon wusste, dass er nicht nur wegen der leckeren Foccacias, sondern vor allem wegen ihr jeden Tag wieder kam. Sie freute sich dennoch immer, wenn er herein kam, aber er konnte nicht entwirren, ob sich ihre Freude auf seine Stammkundschaft oder seine Persönlichkeit bezog.

So verging ein ganzer Sommer, an dem er immer nur an das Pizzamädchen dachte. Irgendwann, es waren schon die ersten kühlen tage im September, wurde ihm alleine beim Gedanken an eine weitere Thunfischpizza so übel, dass er sich auf dem Weg zum Laden erbrechen musste. Er schleppte sich ein letztes Mal herein und bestellte trotzdem seine Lieblingspizza. Ein letztes Lächeln von ihr, ein letztes Mal "4 Euro bitte".

Auf dem Weg nach Hause warf er die beiden Stücke Pizza in den Mülleimer.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Wirr

Ich weiß gar nicht, wie ich die Begegnungen mit dem weiblichen Geschlecht in letzter Zeit darstellen und - noch schwieriger - zusammen fassen soll. Sie werfen einen Anker in meine Fantasie aus, so viel kann man festhalten.

Zum Beispiel habe ich meine Nachbarin von unten kennen gelernt. Wir sind hintereinander nach Hause gewankt und ins selbe Haus gegangen und ich dachte, da kann man ja vielleicht doch mal Hallo sagen und "jaschadedasseshiersoanonymistaberwirkönnenjamaleinenkaffeetrinkenoderso".

Drei Tage später hat es an meiner Tür geklingelt und schon saßen wir bei Käfer-Rotwein an ihrem quasiantiken Holztisch in ihrer Wohnung. Ich habe zuvor nicht gerade um eine Begegnung gebettelt, weil ich dachte, sie wäre diejenige gewesen, die mich mal irgendwann per Sturmklingeln um 7 Uhr morgens geweckt hat, weil sie wiederum dachte, ich hätte die Überschwemmung in ihrem Bad zu verantworten. Hatte ich aber nicht und es war auch sowieso ihre Vormieterin, die bei mir geklingelt hatte.

Wir haben viel Wein getrunken und uns unter anderem über ihren Ex unterhalten, der immer von Kindern geträumt hat, aber als es von ihrer Seite konkret wurde, kalte Füße bekommen hat und meinte, ach irgendwie schafft man das schon, zur Not gibt es ja Hartz IV. Und in ein paar Jahren sei er ja eh Millionär mit seinem Start Up. Das hat sie dann aber doch grundsätzlich anders gesehen und jetzt muss eben ein Mann her, der zu seinem Wort steht.

Auch wenn unter dem Gespräch eigentlich kaum erotische Spannung lag, überlege ich mir, ob ich nicht jetzt, da wo wir uns kennen gelernt haben, einfach bei ihr spät klingeln kann und im Grunde wüsste sie auch, dass es nur ich sein kann, der so spät klingelt und dann wäre auch soweit alles klar. Dann würde sie beim nächsten Mal wieder bei mir klingeln und es wäre praktisch und aufregend zugleich. Solange wir dabei nicht reden würden.

Dann gab es noch die Frau, die sich ein Handy einpflanzen lassen hat. Um kosmische Strahlung aufzunehmen und für den Fall gewappnet zu sein, dass Außerirdische genau auf diesem Weg Kontakt mit ihr aufnehmen. In den Filmen ist ja auch immer eine auserkorene Person, mit denen die Wesen kommunizieren und sie denkt, sie könnte diese Person sein. Ich hätte gerne gewusst, wo genau sie das Handy untergebracht hat, ob man die Tastatur theoretisch mit den Fingern von außen bedienen kann und mit welcher SIM-Karte das mit den Strahlen genau funktioniert.

Außerdem denke ich zur Zeit auch viel an nicht-reale Frauen wie Monika aus dem Sommerfilm von Bergmann. Am allerliebsten würde ich mir ihr und ihren prallen Brüsten durch die schwedischen Wälder streifen und tagsüber schwimmen gehen und am Abend ein Lagerfeuer machen.