Montag, 23. Juni 2014

Anleitung zum Unglücksein Extra

Wer sich nachhaltig unglücklich oder dumpf glücklich machen will, was auf dasselbe herausläuft, der wird weiter beständig versuchen, sein Glück ausschließlich in der Bestätigung durch Andere zu suchen. 

In Großstädten wie Berlin ist diese flaue Art der Glückssuche zum Expertentum gereift. Ganze Bars sind gefüllt von Männern und Frauen, die nichts anderes tun, als anzupreisen, wie urban, wie modern, wie understated, wie anti, wie post-anti, wie metrosexuell, wie retro-sexuell sie sind - alles in der dumpfen Hoffnung auf eine lasche Bestätigung ihres mühsam konstruierten Selbstbildes, die sie dann nicht annehmen können, wenn sie erfolgt. Und so sieht man sie, wie sie ihrem groß angelegten Monolog lauschen, der nie zur Erfüllung kommen kann. Am nächsten Tag sitzen sie wieder in der Bar und dasselbe Spiel beginnt von vorn.

Dabei verkennen sie, was für ein stumpfer Einfall es doch ist, den Gegenüber nur als Bande ihrer Selbstanpreisung zu verstehen. Es geht keineswegs um Sebstverliebtheit, denn diese beharrlichen paradoxen Glückssucher lieben sich ja nicht selbst, sie verachten sich selbst. Sie gönnen sich selbst nur diesen hohlen semi-anerkennenden Blick des Anderen: "Ah, ist ja interessant, was du da so machst" oder auch "Vom Typ her bist du wirklich ein cooler Typ". 

Das eigentlich Tragische an diesem Phänomen ist, dass es keine Spielverderber gibt. Die, die lasch anerkennen, hoffen im nächsten Moment die lasch Anerkannten zu sein. Niemand würde aufstehen und sagen: "Mit welchem Recht gehst Du eigentlich davon aus, dass Dein Scheiß mich interessiert?".