Freitag, 23. April 2010

Unberechtigter Zweifel

Ich lese gerade mal wieder ein Buch zu meinem Lieblingsthema, nämlich "Treffen sich zwei" von Iris Hanika. "Eines der klügsten Bücher über die Liebe in letzter Zeit", sagt die "Brigitte" und ich denke genau, jetzt weiß ich auch, was mich etwas daran stört, nämlich dass es etwas brigittehaftig ist, aber es hat seine Stärken besonders darin, glaubhaft zu veranschaulichen, wie man sich mit den ständigen Zweifeln über das, was man gerade tut in einen Zustand bringt, in dem man nur noch denken kann: "Alles versaut. Scheiße. Selber schuld". Und den permanenten unberechtigten Zweifel bringt folgendes Gedicht schön auf den Punkt:

"Wenn erst alles recht gerichtet ist,
lebt man in fragilem Gleichgewicht,
traut nämlich diesem Frieden nicht,
weil es doch unmöglich sein kann eigentlich,
dass einmal alles recht gerichtet ist.
Drum genügt dann schon ein Hauch,
wie von einer Daune, die dem Bett entwich,
mehr braucht's da nicht,
und gleich fragt man und wundert sich,
ob denn wirklich alles recht gerichtet ist,
und kommt prompt aus dem Gleichgewicht.
Ja, so ist das Leben."

Man muss dazu sagen, dass die Protagonistin in dem Buch alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann, sprich am ersten Abend nach dem "O-Paradies" gleich mit dem Typ ins Bett und die nächsten zehn Abende immer wieder, bis sie sich irgendwann fragte, ob ein Systemberater wirklich zu einer Galeristin passt, ob sie seine merkwürdige Statur nicht einfach nur hässlich findet und ob es nicht doch problematisch sei, dass sie in den zehn Nächten nur einmal gekommen bist. Das führt dann dazu, dass sie ihm völlig betrunken vor versammelter Mannschaft beim Italiener sagt, dass er in Zukunft nicht immer so schnell abspritzen möge.

Aber dass sich das Kopfkino einschaltet, sobald die Person weg ist, mit der man meistens eher plötzlich in körperliche Verwicklungen geraten ist, kennt wohl jeder Berliner. Man kann es nicht abschalten und Reflektion ist ja auch wichtig und gut. Ich sage immer, man merkt am ehesten, dass etwas funktioniert, wenn man sich auch alleine zuhause immer noch sicher ist, dass das schon alles so richtig war. Aber das ständige Grübeln kann eben auch etwas zerstören, bevor etwas überhaupt angefangen hat. Das beste Zeichen ist, wenn man sich, wenn man dann wieder alleine ist, nichts besseres vorstellen kann, als sich wie der Typ im Buch mit einem Bier im Sommer auf die Bank zu setzen und völlig gehirnamputiert dauergrinsend an das zu denken, was da gerade so alles passiert ist.

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