Ich glaube zwar, dass es nicht zwingend so sein muss, aber meine Erfahrung zeigt, dass wenn man mit einer Frau noch in derselben Nacht fickt, in der sie man sie kennen gelernt hat, es de facto ausgeschlossen ist, mit ihr etwas Ernstes anzufangen. Beide denken anschließend sofort, dass man das dann wohl in die unteren Schubladen "Absturz" oder "Affäre" stecken muss und andere, höher gelegene Schubladen bleiben dabei automatisch geschlossen. Was natürlich wirklich ein objektives Problem bei derartigen Nächten darstellt, ist, dass es danach - zumindest, was das Körperliche angeht - erst einmal nicht mehr viel zu entdecken gibt. Es sei denn, man hat sogar das Gesicht vergessen, aber das schafft andere Probleme. Hab' ich glücklicherweise noch nicht erlebt, nur leichte Vorstellungsdissonanzen gehabt, die beim nächsten Treffen wieder behoben waren.
Neben meiner Pakttheorie favorisiere ich daher im Moment eine Art des Kennenlernens wie mit 16. Also nachdem man sich irgendwo kennen gelernt hat, mindestens eine Woche lang nur telefonieren, sich zu seltenen Treffen verabreden, um wahlweise in eine Bar oder von mir aus auch eine Eisdiele zu gehen (Kino ist mir anfangs zu unkommunikativ) und wirklich der erste Kuss erst nach 3 Wochen, ok sagen wir 2 Wochen, alles andere wäre wirklich unrealistisch. Und ficken dann erst nach 3 Wochen - dann aber den ganzen Tag lang. Ein guter Freund von mir hat es so hinbekommen, außer der Tatsache, dass sie schon am ersten Abend geknutscht haben. Jetzt sind sie schon seit 3 Monaten ein ziemlich glückliches Pärchen.
Ich stelle mir das also ein wenig wie in "Pretty in Pink" vor, wo der erste richtige Kuss auch ewig gedauert hat, wenn ich mich richtig erinnere. Der war aber dann umso leidenschaftlicher. Es kann für meinen Geschmack ruhig noch etwas leidenschaftlicher sein, aber bei US-Blockbustern aus den 80ern war eben alles noch ein wenig verklemmt. Verklemmt ist nicht dasselbe wie vorsichtig.
Puh... das hört sich alles ziemlich verkopft und anstrengend an. Ob man so die Liebe findet? Ich würde sagen: "Der Plan überlebt die Schlacht nicht." Wenn es passt, dann passt es. Dann kann man sich gut unterhalten, flirten und es darf natürlich auch am ersten Abend schon geknutscht werden. Nur leider findet man die Kombination aus gut verstehen und sich anziehend finden nicht an jeder Straßenecke, weshalb man auf dem Weg zwischen zwei guten Beziehungen schonmal in die Küchenpsychologie abdriftet und sich tolle Theorien ausdenkt, wie man dem Glück auf die Sprünge helfen kann. Ich glaub an diesem Punkt bist Du gerade. Besser, als daß hier in diesem Blog weitere komplizierte Regeln erfunden werden (neben der bekannten 3-Tage-Regel etc.), fände ich es, endlich alle Regeln abzuschaffen. Sie sperren die Liebe vom ersten Tag in einen Käfig voller Vorschriften und Spielchen. Wer hat denn darauf Bock? Weg damit!
AntwortenLöschenDem stimme ich zu. So hatte ich zunächst auch "Love is in the error" verstanden - die Liebe liegt im Fehler, in der Macke, dort, wo etwas nicht passt, nicht nach Plan verläuft, ist Liebe möglich. Denn sie ist immer auch mit dem Gefühl verknüpft, dass es so "anders" ist als sonst. Dass etwas möglich ist, was man nicht für möglich gehalten hat, weil man es nicht kannte. Und das ist doch auch mit das Beglückendste: Zu merken, dass man selbst anders sein kann, nicht so sein muss, wie es von einem erwartet wird, oder wie man immer meint, dass es von einem erwartet würde.
AntwortenLöschen...und nochmal ich: Trotzdem prinzipiell eine gute Sache, das "Kennenlernen mit 16" (auch wenn es doch gerade mit 16 nie so gelaufen ist, bei mir jedenfalls nicht): Sich Zeit lassen, nicht sofort besitzen wollen, sich den anderen anschauen, die Vorfreude genießen und sich gegenseitig das Gefühl geben, dass man am anderen interessiert ist, als Mensch, Person, was auch immer. Und nicht, wie es in Gondrys "Vergissmeinnicht" heißt: "Ihnen Hoffnung zu machen, dass du mit ihnen ins Bett gehst, ist für dich die einzige Möglichkeit, Menschen dazu zu bringen dass sie dich mögen."
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